Das Kilians Konzert in Hamburg stand zunächst unter keinem guten Stern. Erst einmal spielten Maximo Park am selben Tag in der Hansestadt – ein Dilemma für Indiefans – und dann brannte auch noch der Keller des Bunkers „Übel & Gefährlich“, wo die Band aus Dinslaken eigentlich auftreten sollte. Doch im Endeffekt war alles gar nicht so schlimm.

Als Ersatzlocation diente nämlich das legendäre „Docks“ an der Reeperbahn, wo schon Metallica oder die Red Hot Chili Peppers von der Menge gefeiert wurden. Auch die Befürchtung, dass der Club für bis zu 3000 Besucher nicht voll wird, erfüllte sich nicht, das Kilians Konzert war ziemlich gut besucht.

Bis die Band aus Dinslaken die Bühne entern durfte, dauerte es allerdings noch. Um 21 Uhr versuchten erst einmal The Toulouse aus Berlin Stimmung zu verbreiten. Alle Bandmitglieder trugen einheitlich ein weißes Hemd samt Krawatte. War schon mal ganz schick. The Toulouse spielten dann eine halbe Stunde lang ihren modernen Indierock und stellten ihre EP „Spit on the Bar“ vor. Beim gleichnamigen Song wurde dann auch schon das Publikum animiert, mitzusingen, das klappte schon ganz ordentlich, genauso wie die Gesangsübung zur neuen potentiellen Single „All I wanna do is dance, motherfucker“. Trotzdem hatte man nicht das Gefühl, als würde der Funken wirklich überspringen. Es gab natürlich ein paar Leute in den ersten Reihen die eifrig tanzten, doch der Rest des Publikums war eher verhalten. Die Band beteuerte ein ums andere Mal, wie sehr sie die Audience doch mögen würden, ob sie damit auf Gegenliebe stießen? Man weiß es nicht.

Dafür konnte man sich sicher sein, dass der Main Act des Abends schon viele Fans an Land gezogen hatte. Das Merch der Kilians ging schon vor ihrem Auftritt weg wie warme Semmeln. Nach einem ewig langen Soundcheck konnte man sich ab 22.15 überzeugen, ob das gerade erstandene Shirt auch berechtigt war. Die meisten werden darauf wohl antworten „Auf jeden Fall!“. Die Kilians waren nämlich gut drauf an dem Abend, man merkte ihnen die Strapazen der 300 km langen Fahrt inklusive 5 Stunden Stau gar nicht an. Zunächst einmal wurde angemerkt, wie „bizarr“ der große Abstand zum Publikum ist, wie cool es aber trotzdem sei, im Docks zu spielen und nicht wie bisher im Molotow.

Die Indieband spielte denn auch eine energiegeladene, amüsante Show mit allen bekannten Songs ihrer zwei Alben „Kill the Kilians“ und „They are calling your name“. Klassiker wie „Dizzy“ oder „Enforce yourself“ durften ebenso nicht fehlen wie die neueren Songs „Innocence“ oder „12 Boxes“. Ihre „Hometown“ Dinslaken wurde natürlich auch besungen.

Das Publikum dankte es ihnen mit Pogo und zwar fast die ganze Zeit. Dass das an manchen Stellen einfach mal gar nicht passte – die Kilians haben schließlich eher langsame, ruhige Lieder – schien nicht zu stören. Doch obwohl man die Bewegungsfreudigkeit der Konzertbesucher hoch anrechnen konnte, war die Gesangsbereitschaft gleich null. Kannte niemand die Texte oder ist es in Hamburg nicht üblich, mitzusingen?

Die Kilians schien das nicht zu stören, kamen sie doch nach 60 Min Show noch einmal für vier (!) Zugaben auf die Bühne. Komisch, dass „Sunday“ nicht das allerletzte Lied war, sondern dass danach noch zwei langsame Songs folgten. Zum Beispiel „Used to pretend“, in dem Sänger Simon eine gefakte Chatbekanntschaft verarbeitet. Zuckersüß.

Insgesamt ein gutes Konzert mit etwas komischen Publikum, die Kilians sollte man definitiv im Auge behalten!

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